patentverletzung-pruefung · git:20260629.10de506 · 2026-06-29 · sha256 37ab3d6312762380
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--- name: patentverletzung-pruefung description: "Verletzungsprüfung eines Patents nach §§ 9, 14, 139, 140b, 140c PatG – Wirkung des Patents, Bestimmung des Schutzbereichs durch die Patentansprüche, wortsinngemäße vs. äquivalente Verletzung, Unterlassungs- und Schadensersatzanspruch, Auskunfts- und Besichtigungsanspruch. Use when zu prüfen ist, ob ein angegriffenes Erzeugnis oder Verfahren ein Patent verletzt und welche Ansprüche dem Patentinhaber zustehen." language: de provider_variants: [claude, gemini, openai] test: ./test.md --- # /gewerblicher-rechtsschutz:patentverletzung-pruefung ## Zweck Die Patentverletzungsprüfung vergleicht die Merkmale des Patentanspruchs mit der angegriffenen Ausführungsform. Maßgeblich ist der **Schutzbereich** nach den Patentansprüchen, ausgelegt im Licht von Beschreibung und Zeichnungen. Erfasst werden die **wortsinngemäße** und die **äquivalente** Verletzung. Dieses Skill führt durch die Merkmalsanalyse, die Anspruchsprüfung und die Bewertung der Verteidigungseinwände. ## Eingaben - Patentschrift (Anspruchssatz, Beschreibung, Zeichnungen, Erteilungsstand) - Angegriffene Ausführungsform (Produkt, Verfahren, Belege, Muster) - Rechtsstand des Patents (erteilt, Einspruch, Nichtigkeitsklage anhängig?) - Benutzungshandlungen (Herstellen, Anbieten, Inverkehrbringen, Einführen, Gebrauchen) - Verschulden / Kenntnis des Verletzers; Verletzungszeitraum ## Sub-Agent-Architektur Vier gedankliche Rollen greifen ineinander. Ein **Merkmals-Agent** gliedert den Patentanspruch in einzelne Merkmale (Merkmalsanalyse) und ordnet die Ausführungsform zu. Ein **Auslegungs-Agent** bestimmt den Schutzbereich nach § 14 PatG und prüft zunächst die wortsinngemäße, dann die äquivalente Verletzung. Ein **Verteidigungs-Agent** prüft Bestandsangriffe (Nichtigkeitsklage, Stand der Technik) und den Formstein-Einwand. Ein **Anspruchs-Agent** leitet aus § 9, § 139, § 140b, § 140c PatG die Rechtsfolgen ab und erstellt das Verletzungsprotokoll. Der Auslegungs-Agent priorisiert stets die wortsinngemäße Prüfung; nur bei deren Verneinung wird die Äquivalenzprüfung durchlaufen. ## Ablauf ### 1. Wirkung des Patents § 9 PatG - Allein der Patentinhaber darf die Erfindung benutzen. Verboten sind insbesondere **Herstellen, Anbieten, Inverkehrbringen, Gebrauchen, Einführen, Besitzen** des Erzeugnisses sowie das Anwenden des geschützten Verfahrens. - Mittelbare Patentverletzung (§ 10 PatG) bei Lieferung wesentlicher Mittel. ### 2. Schutzbereich und Auslegung § 14 PatG - Der Schutzbereich wird durch die **Patentansprüche** bestimmt; Beschreibung und Zeichnungen sind zur Auslegung heranzuziehen. - Maßstab ist der Fachmann; Auslegung weder am reinen Wortlaut haftend noch über die Ansprüche hinausgehend. ### 3. Merkmalsanalyse und wortsinngemäße Verletzung - Anspruch in einzelne Merkmale zerlegen. - **Wortsinngemäße Verletzung**: Die Ausführungsform verwirklicht jedes Merkmal nach dem Wortsinn (Verständnis des Fachmanns). ### 4. Äquivalente Verletzung - Ersetzt die Ausführungsform ein Merkmal durch ein abgewandeltes Mittel, liegt **äquivalente Verletzung** vor, wenn die drei Schneidmesser-Fragen bejaht werden: gleichwirkend, auffindbar, gleichwertig (am Sinngehalt des Anspruchs orientiert). - **Formstein-Einwand**: Keine Äquivalenz, soweit die abgewandelte Ausführung zum freien Stand der Technik gehört. ### 5. Ansprüche § 139 PatG - **Unterlassungsanspruch** bei Wiederholungs-/Erstbegehungsgefahr (§ 139 Abs. 1). - **Schadensersatzanspruch** bei Vorsatz/Fahrlässigkeit (§ 139 Abs. 2) — drei Berechnungsmethoden: konkreter Schaden, Verletzergewinn, Lizenzanalogie. - Vernichtung und Rückruf (§ 140a PatG). ### 6. Auskunft und Besichtigung - **Auskunftsanspruch** über Herkunft und Vertriebsweg (§ 140b PatG). - **Besichtigungsanspruch** zur Sicherung des Verletzungsnachweises (§ 140c PatG), oft im Wege der einstweiligen Verfügung. ### 7. Verteidigung und Verjährung - Bestandsangriff durch **Nichtigkeitsklage** (§ 81 PatG) oder Einspruch; ggf. Aussetzung des Verletzungsverfahrens. - **Verjährung** der Ansprüche nach § 141 PatG i.V.m. §§ 195, 199 BGB. ## Risiken / typische Fehler - **Äquivalenz** ohne wortsinngemäße Vorprüfung behauptet — die Merkmalsanalyse muss zuerst den Wortsinn ausschließen. - **Formstein-Einwand** übersehen — keine Äquivalenzverletzung im freien Stand der Technik. - **Verjährung** nicht geprüft — § 141 PatG i.V.m. §§ 195, 199 BGB. - **Nichtigkeitsklage** des Gegners nicht eingeplant — Aussetzungsrisiko und unberechtigte Verwarnung bei rechtsbeständigem Angriff. - Schutzbereich allein am Wortlaut ohne Auslegung nach § 14 PatG bestimmt. ## Ausgabeformat ``` PATENTVERLETZUNG — PRÜFPROTOKOLL — <Mandant> — <Datum> I. Patent / Anspruch <Az., Anspruch Nr., Rechtsstand> II. Merkmalsanalyse M1 / M2 / M3 … : verwirklicht? [✓/✗] III. Schutzbereich § 14 Auslegung: <…> IV. Wortsinngemäße Verletzung [ja / nein] Begründung: <…> V. Äquivalente Verletzung Schneidmesser-Fragen: <…> Formstein: [greift/nein] VI. Benutzungshandlung § 9 [Herstellen/Anbieten/Inverkehrbringen/Einführen] VII. Ansprüche § 139 Unterlassung [✓]; SE-Methode: <Lizenzanalogie/…> VIII. Auskunft § 140b / Besichtigung § 140c [ja/nein] IX. Verteidigung / Verjährung Nichtigkeitsklage: <…>; Verjährung: <…> Hinweis: Erteilungs- und Rechtsstand des Patents tagesaktuell prüfen. ``` ## Quellen ### Statute - [§ 9 PatG](https://www.gesetze-im-internet.de/patg/__9.html) (Wirkung des Patents) - [§ 14 PatG](https://www.gesetze-im-internet.de/patg/__14.html) (Schutzbereich / Auslegung) - [§ 139 PatG](https://www.gesetze-im-internet.de/patg/__139.html) (Unterlassung und Schadensersatz) - [§ 140b PatG](https://www.gesetze-im-internet.de/patg/__140b.html) (Auskunftsanspruch) - [§ 140c PatG](https://www.gesetze-im-internet.de/patg/__140c.html) (Besichtigungsanspruch) - [§§ 10, 140a, 141 PatG](https://www.gesetze-im-internet.de/patg/) (mittelbare Verletzung, Vernichtung, Verjährung) ### Kommentare - Benkard, Patentgesetz, 12. Aufl. 2023 - Schulte, Patentgesetz, 11. Aufl. 2022 - BeckOK PatR (Online) ### Rechtsprechung - BGH, Urt. v. 12.03.2002 – X ZR 168/00, GRUR 2002, 515 (Schneidmesser I) `[unverifiziert – prüfen]` - BGH, Urt. v. 29.04.1986 – X ZR 28/85, GRUR 1986, 803 (Formstein) `[unverifiziert – prüfen]`