liquiditaetsplanung-13-wochen · git:20260521.496c6cc · 2026-05-21 · sha256 685c2c2f604f2d53
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--- name: liquiditaetsplanung-13-wochen description: "13-Wochen-Liquiditätsplanung als Frühwarn-Instrument für Krisenunternehmen und Anker der Zahlungsunfähigkeitsprüfung nach § 17 InsO. IDW-S-11-konforme Methodik, rollierende Aktualisierung, Zahlungsstockungsabgrenzung. Use when ein Mandant frühzeitig Liquiditätsentwicklung beurteilen oder die Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO operativ prüfen muss." language: de provider_variants: [claude, gemini, openai] test: ./test.md --- # /insolvenzrecht:liquiditaetsplanung-13-wochen ## Zweck Die 13-Wochen-Liquiditätsplanung ist das Pflicht-Werkzeug der Krisenfrüherkennung nach **§ 1 StaRUG** und das operative Werkzeug zur Prüfung der Zahlungsunfähigkeit nach **§ 17 InsO**. Sie liefert die Tatsachenbasis, ohne die jede insolvenzrechtliche Bewertung haltlos bleibt. ## Eingaben - Aktueller Kontostand und Liquiditätsreserven (Kreditlinien, ungenutzte Tranchen) - Fällige Verbindlichkeiten (Datum, Betrag, Gläubiger, Rang) - Erwartete Zahlungseingänge (Forderungen mit Zahlungsziel, Sicherheit der Realisierung) - Operative Auszahlungen (Löhne, Sozialversicherung, Lieferanten, Mieten, Steuern) - Außerordentliche Posten (Vergleichszahlungen, Investitionen) ## Ablauf ### 1. Grundstruktur (IDW S 11) | Position | Woche 1 | Woche 2 | … | Woche 13 | |---|---|---|---|---| | Anfangsbestand | | | | | | **Einzahlungen** | | | | | | Kundenzahlungen | | | | | | Sonstige Einzahlungen | | | | | | **Auszahlungen** | | | | | | Löhne / Sozialabgaben | | | | | | Lieferanten | | | | | | Miete / Versicherung | | | | | | Steuern | | | | | | Tilgung / Zinsen | | | | | | Sonstiges | | | | | | Endbestand | | | | | | Liquiditätslinie | | | | | | **Lücke / Überschuss** | | | | | ### 2. Bewertung gegen § 17 InsO Zahlungsunfähigkeit: nicht in der Lage, **fällige** Zahlungspflichten zu erfüllen. Methodik nach BGH-Rechtsprechung: 1. **Statusrechnung** zum Stichtag: aktive Liquidität (Kasse + Bankguthaben + zugesagte Kreditlinie + binnen 3 Wochen verfügbare Mittel) vs. fällige Verbindlichkeiten. 2. **Liquiditätslücke** = (fällige Verbindlichkeiten – verfügbare liquide Mittel) / fällige Verbindlichkeiten. 3. **Faustformel**: Lücke ≥ 10 % über mehr als drei Wochen → Zahlungsunfähigkeit. BGH, Beschl. v. 24.05.2005 – IX ZR 123/04, NJW 2005, 3062 `[unverifiziert – prüfen]`. 4. **Abgrenzung Zahlungsstockung**: kurzfristig (< 3 Wochen), Liquiditätslücke < 10 %, abzusehende Behebung. ### 3. Rollierung 13 Wochen ist das **Mindestmaß**. Best Practice: - Wöchentliche Aktualisierung mit Soll-Ist-Vergleich der Vorwoche. - Quartalsweise Erweiterung auf 26 Wochen (für StaRUG-Prognosezeitraum). - 13-Monats-Planung zur Fortbestehensprognose (24 Monate seit StaRUG-Reform). ### 4. Stress-Szenarien Mindestens drei Szenarien: - **Best Case** (geplante Maßnahmen wirken) - **Base Case** (Fortschreibung Status quo) - **Stress Case** (Hauptkunde fällt aus, Kreditlinie wird gekündigt) Bei Stress Case eintretender Liquiditätslücke → frühzeitig Sanierungsmaßnahmen aktivieren (StaRUG, Investorensuche, Vergleichsverhandlungen). ### 5. Ergänzung Free-Cash-Flow Für aussagekräftige Krisenfrüherkennung ergänzen: - Auftragsbestand-Reichweite (Monate) - Working-Capital-Entwicklung (Forderungs- und Lagerbestand) - Free-Cash-Flow vor Steuern - Verschuldungsquote (Net Debt / EBITDA) ### 6. Dokumentation Liquiditätsplanung als interne Krisenakte sichern: - Stand und Änderungen wöchentlich dokumentieren - Annahmen offenlegen (Zahlungsziele, Mahnverhalten) - Soll-Ist-Abweichungen begründen - Entscheidungsprotokolle bei Maßnahmen ## Quellen ### Statute / Standards - [§ 17 InsO](https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__17.html), [§ 1 StaRUG](https://www.gesetze-im-internet.de/starug/__1.html) - IDW S 11 (Beurteilung des Vorliegens von Insolvenzeröffnungsgründen) - IDW PS 800 / IDW S 6 (Sanierungsfachprüfung) ### Rechtsprechung - BGH, Beschl. v. 24.05.2005 – IX ZR 123/04, NJW 2005, 3062 `[unverifiziert – prüfen]` - BGH, Urt. v. 09.11.2017 – IX ZR 226/16, NZI 2018, 76 `[unverifiziert – prüfen]` ### Kommentare - Bork, in: Bork / Hölzle, Insolvenzrecht, 2. Aufl. 2023, § 17 InsO Rn. 1 ff. - Schmidt, Sanierungsrecht, 4. Aufl. 2023 ## Ausgabeformat ``` 13-WOCHEN-LIQUIDITÄTSPLANUNG — <Mandat> — Stichtag <Datum> Statusrechnung (Stichtag): Aktive Liquidität (Kasse, Banken, Kreditlinie binnen 3 Wo): <EUR> Fällige Verbindlichkeiten: <EUR> Liquiditätslücke: <% / EUR> Bewertung: [Zahlungsstockung / Zahlungsunfähigkeit] 13-Wochen-Plan (rollierend, Base Case): Woche | Einzahlung | Auszahlung | Endbestand | Linie | Lücke/Überschuss ... Szenarien: Best Case: Minimum Liquidität <EUR>, Wo <N> Base Case: Minimum Liquidität <EUR>, Wo <N> Stress Case: Minimum Liquidität <EUR>, Wo <N> [🔴 Maßnahmen erforderlich] Empfohlene Maßnahmen: - <…> Wiedervorlage: <wöchentlich, nächster Termin> ``` ## Risiken / typische Fehler - **Optimistische Zahlungseingänge** — Wirtschaftsprüfer rechnen mit historischer DSO, nicht Wunsch. - **Sozialabgaben unterschätzt** — Beitragsabführung Pflicht der GF persönlich nach § 28e SGB IV. - **Tilgungstermine vergessen** — Bullet-Strukturen führen zu plötzlichen Spitzen. - **Working-Capital-Effekte ignoriert** — Saisongeschäft erfordert Forecast-Anpassung. - **„Wir kriegen das hin"-Mentalität** — Stress Case ist Pflicht, nicht Option. - **Soll-Ist-Vergleich nicht dokumentiert** — keine Krisenfrüherkennung im Sinn § 1 StaRUG.